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Marktkommunikation im Bahnstromnetz: GPKE und MaBiS bei 16,7 Hz

Seit dem 1. Juli 2026 gilt im Bahnstromnetz der DB Energie ein neues Netzzugangsmodell. Es überträgt die Standardprozesse des Strommarktes auf einen Sonderfall: Der Abnehmer fährt. Was daraus für GPKE, MaBiS und die Nachrichtenformate folgt, steht hier – mit den Fundstellen, an denen die verbindlichen Dokumente liegen.

Warum der Bahnstrom ein Sonderfall ist

Das Bahnstromnetz ist eine bundesweite Infrastruktur mit 16,7 Hertz statt 50 Hertz: ein 110-kV-Netz mit Umformern und Umrichtern, das über Unterwerke die Oberleitungen mit 15 kV speist. Es hat einen einzigen Netzbetreiber, den Bahnstromnetzbetreiber (BNB), und es ist mit den Netzen in Österreich und der Schweiz verbunden.

Der eigentliche Unterschied liegt aber nicht in der Frequenz, sondern beim Abnehmer. Im 50-Hz-Netz ist eine Marktlokation ein fester Ort mit einer Adresse. Im Bahnstromnetz ist der Abnehmer ein Triebfahrzeug: Es bewegt sich durch das ganze Netz, wird von wechselnden Eisenbahnverkehrsunternehmen genutzt, gehört oft einem Dritten und speist beim Bremsen Energie zurück. Wer wann welche Energie entnommen hat, ergibt sich erst aus der Zuordnung von Fahrzeugen zu Nutzern, Tag für Tag.

Die Festlegung BK6-19-016

Die Beschlusskammer 6 der Bundesnetzagentur hat das Verfahren am 14. Februar 2019 eingeleitet und am 27. Juni 2022 die Festlegung zur Regelung des Zugangs zum Bahnstromnetz der DB Energie GmbH beschlossen. Kern der Entscheidung: Der Bahnstromnetzbetreiber muss Zugang nach den auch für andere Netzbetreiber geltenden Regeln gewähren, und die Verantwortung für die Zuordnung von Triebfahrzeugen zu Nutzern liegt bei den Haltern, nicht mehr beim Netzbetreiber. Für die Umsetzung gab es rund vier Jahre. Die neuen Regelungen sind seit dem 1. Juli 2026 anzuwenden.

Das bis dahin geltende Modell stammte aus dem Jahr 2015 und arbeitete mit eigenen XML-Nachrichten. Das neue Modell übernimmt, wo immer möglich, die EDIFACT-Formate und Prozesse des allgemeinen Strommarktes und ergänzt sie um bahnspezifische Regelungen.

Die Objekte: technische und virtuelle Entnahmestellen

Das Modell trennt den physikalischen Energiefluss von der Belieferung. Beides sind eigene Objekte:

Die Marktrollen

Neben Lieferant und Messstellenbetreiber kennt das Bahnstromnetz Rollen, die es im 50-Hz-Netz nicht gibt. Beschrieben sind sie in der Kommunikationsrichtlinie des BNB.

Was aus GPKE und MaBiS übernommen wird, und was abweicht

Die Allgemeinen Festlegungen und die Regelungen zum Übertragungsweg von EDI@Energy gelten analog. Für die Prozesse der GPKE und der MaBiS kommen die EDIFACT-Formate so weit wie möglich identisch zum Einsatz, auch für Tageslastgang, Abrechnungslastgang und Netznutzungsabrechnung. Die Grundlage dafür sind die auf den Traktionsstrom angepassten Anwendungshandbücher von EDI@Energy: Der BNB veröffentlicht für die betroffenen Nachrichtentypen, allen voran die UTILMD, eigene Fassungen der Anwendungshandbücher mit den bahnspezifischen Ausprägungen, dazu eine Codeliste Traktionsstrom und ein Begleitdokument zu den EDIFACT-Nachrichtenformaten. Dieses Begleitdokument beschreibt die Use Cases nach den Teilen der GPKE: die Zuordnungsprozesse Lieferbeginn, Neuanlage, Ersatz- und Grundversorgung und Lieferende, die Abrechnungsdaten für Netznutzung und Bilanzkreisabrechnung, die Übermittlung von Preisblatt und Lieferschein, die Netznutzungsabrechnung selbst sowie Konfigurations- und Stammdatenprozesse.

Die Abweichungen sind überschaubar, aber sie müssen in jedem beteiligten System bekannt sein:

Die Traktionsstrom-Fassungen der EDIFACT-Nachrichten

Für acht Nachrichtentypen gibt es eigene, auf den Traktionsstrom ausgeprägte Anwendungshandbücher. Sie setzen jeweils auf einer bei EDI@Energy veröffentlichten Nachrichtenbeschreibung (MIG) auf und beschreiben die bahnspezifischen Abweichungen. Die Versionsnummer eines Traktionsstrom-Handbuchs ist deshalb eine andere als die der zugrunde liegenden MIG. Der Stand ab dem 1. Oktober 2026, Handbuch-Version 1.1, nennt als Grundlage:

Alle acht Handbücher liegen als ZIP-Paket „Anwendungshandbücher Traktionsstrom ab 01.10.2026“ (Version 1.1, 4. Mai 2026) auf der Seite zur Festlegung und Marktkommunikation. Zwei Details, die in jeder Syntaxprüfung bekannt sein müssen: Zur Kennzeichnung von DB-Marktpartnern wird der Code 503 im UNB-Segment und der Code 999 im NAD-Segment verwendet, und für den Stand bis zum 30. September 2026 gelten eigene Fassungen der Handbücher. Wer beide Umstellungen des Jahres 2026 schultert, den Wechsel des Netzzugangsmodells im Juli und den Formatwechsel im Oktober, braucht eine saubere Versionsführung.

Wo die Dokumente liegen

Die bahnspezifischen Formatdokumente veröffentlicht der BNB auf seinen eigenen Seiten, nicht bei EDI@Energy. Wer im Bahnstrom mit EDIFACT arbeitet, findet die maßgeblichen Anwendungshandbücher deshalb dort und nicht in den allgemeinen Veröffentlichungen des BDEW. Er pflegt sie laufend: Allein 2026 gab es mehr als zehn Veröffentlichungen mit Korrekturen, zuletzt am 22. September 2026. Wer im Bahnstrom kommuniziert, sollte diese Seiten regelmäßig lesen.

Was das für die Beteiligten heißt

Woher unsere Erfahrung kommt

Wir haben die Anpassung der GPKE- und MaBiS-Prozesse und der Formate für das 16,7-Hz-Netz fachlich begleitet, bis zur Umsetzung zum 1. Juli 2026. Der Sonderfall lehrt viel über die Standardprozesse: Wo sie sich auf einen fahrenden Abnehmer übertragen lassen, sind sie robust; wo es hakt, zeigt sich, welche stillen Annahmen in ihnen stecken.

Dazu passend: Bilanzierung und MaBiS-Hub, Referenzen, Stichtage der Marktkommunikation

Angaben geprüft am 22. September 2026 anhand der verlinkten Dokumente. Maßgeblich sind die Festlegung der Bundesnetzagentur und die jeweils aktuelle Veröffentlichung des Bahnstromnetzbetreibers.